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Das Oberrheintal - so ist es des öfteren in Basel, Freiburg oder Strasbourg zu hören - ist das Herz Europas. Das meint nicht so sehr die geographische Mitte eines 'kleinen Europa', sondern Formen der engagierten Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, wie sie sich in der intensiven Kooperation der oberrheinischen Universitäten Basel, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg (EUCOR - Europäische Konföderation der oberrheinischen Universitäten) niederschlagen. Erwähnenswert sind hier nicht nur 'Paradepferde' der Zusammenarbeit wie der trinationale naturwissenschaftliche Studiengang 'Biotechnologie', sondern auch die Durchführung gemeinsamer "Regioseminare" und trinationale Arbeitsgemeinschaften, die in einem jeweiligen Feld die Aktivitäten der Universitäten diesseits und jenseits des Rheins bündeln.


  Die oberrheinische Arbeitsgemeinschaft Kognitionswissenschaften  



Ganz in diesem Sinne haben im Sommer 1993 kognitionswissenschaftlich orientierte Sprachwissenschaftler der Universitäten Freiburg und Strasbourg (Georges Kleiber, Günter Kochendörfer, Martin Riegel, Michael Schecker) und dann etwas später der Universität Basel (Georges Lüdi) die oberrheinische 'Arbeitsgemeinschaft Kognitionswissenschaften' gegründet.
Ziel war und ist der Austausch und die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit im Bereich der kognitions- und neurowissenschaftlich orientierten Linguistik, die sich u.a. in regelmäßigen gemeinsamen wissenschaftlichen Kolloquien niederschlägt. - Im Frühjahr 1995 wurde zudem als spezieller Arbeitsbereich der Arbeitsgemeinschaft in Freiburg ein neurolinguistisches Labor (unter Leitung von Michael Schecker) eingerichtet. - Das neurolinguistische Labor und die hier durchgeführten Forschungen sind derzeit Teil der Forschungsprojekte des Deutschen Semninars 1 der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br..
Die gemeinsam veranstalteten 'Regioseminare' der 'Oberrheinischen Arbeitsgemeinschaft für Kognitionswissenschaften' wurden und werden von EUCOR unterstützt.

Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit

Mit Beschluß vom 4.2.1994 findet auch die Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit der Arbeitsgemeinschaft (jetzt 'EUCOR AG - Kognition') unter dem Dach von EUCOR statt.
Die Arbeitsgemeinschaft gibt die Reihe 'cognitio' - Kognitions- und neurowisschaftliche Beiträge zur natürlichen Sprachverarbeitung' heraus (leitender Herausgeber: Michael Schecker, Neurolinguistisches Labor Freiburg; durchschnittlich zwei Bände pro Jahr). 'cognitio' will die oberrheinischen Forschungsaktivitäten im Bereich der kognitions- und neurowissenschaftlich orientierten Linguistik erfassen und bündeln, ist aber natürlich nicht auf Autoren und Beiträge der genannten Universitäten beschränkt.

Das Neurolinguistische Labor Freiburg ('Neurolabor')

Derzeit werden vier Forschungszusammenhänge bearbeitet: (1) In Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Freiburg (Prof. Dr. E. Schulz, PD Dr. K. Hennighausen) geht es um Sprachentwicklungsstörungen, um den Zusammenhang von Aufmerksamkeitsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen und um zentral-auditive Verarbeitung im Rahmen kindlicher Entwicklungsstörungen. (2) Zweitens werden -   in Zusammenarbeit mit dem ZGGF Freiburg (Prof. Dr. Klaus Schmidtke) - die verschiedenen Formen des Sprachabbaus bei dementiellen Syndromen zum Thema gemacht; im Zentrum unseres Interesses stehen hier Zusammenhänge zwischen der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und Plastizität einerseits und den unterschiedlichen Teilleistungstörungen sprachlicher Funktionen bei Alzheimer-Krankheit andererseits. (3) Im dritten Projekt werden streng biologisch/physiologisch basierte neuronale Netze entwickelt und für die (Computer-) Simulation unterschiedlicher sprachpathologischer Symptome nutzbar gemacht. Hier geht es nicht zuletzt auch um die Auswirkungen von Psychopharmaka. (4) Neuestes Projekt ist das Schmerzgedächtnis gerade bei psychosomatischen Schmerzpatienten.
Über die Forschungstätigkeit hinaus widmet sich das Neurolinguistische Labor intensiv der Weiterbildung; hier stehen vor allem Workshops zu zentralen sprachlich-kommunikativen Aspekten der Diagnostik und Therapie von Krankheitsbildern wie der Alzheimer-Krankheit oder Aphasien oder die Erforschung sprachlich-kommunikativer Auffälligkeiten bei psychischen Störungen (Schizophrenien, Depressionen) im Vordergrund, begleitet von Arbeitstagungen und Informationsveranstaltungen, in denen wir uns an die Öffentlichkeit wenden.

Jan. 2005 (gr)